Von Super- und Antihelden und anderen Vorbildern

Zuerst einmal: Ja, es stimmt. Der Schöpfer des Batman Logos ist tot. 1964 hat Carmine Infantino der Comic-Figur neues Leben eingetaucht. Es ist das Jahr, wo Martin Luther King, den Friedens Nobelpreis erhält, Jean-Paul Sartre den Nobelpreis ablehnt und ganz nebenbei noch Neneh Cherry auf die Welt kommt.

Doch die Frage ist, sind diese Superhelden von damals, heute immer noch von Bedeutung? Oder suchen wir heute Antihelden? Das Batmanlogo ist auf jeden Fall 1999 von der Brust des Helden entfernt worden. Batman war dann nicht mehr dieser glänzende Superheld, die Filme wurden düsterer und düsterer. Ist ja klar, Luther King und Satre leben schon lange nicht mehr, und Neneh Cherry hat ihre 7 –Sekunden Berühmtheit gehabt.
Wo bleiben die Vorbilder dieser Welt? Schaut euch auch einmal James Bond an, heute kantiger denn je, ohne diesen Glamour von damals. Sind das die neuen Vorbilder?

Schliesslich lockern sich die Benimmregeln von heute auch - Knigge wird nicht mehr so eng interpretiert. Wir klagen über die Verrohung der Gesellschaft, Littering im Park nebenbei, nerven uns über die betrunkenen Jugendlichen, die uns am Freitag-Abend über den Weg torkeln, bei denen die Bedeutung von Etikette auf ein Stück Stoff am T-Shirt reduziert ist. Doch wen wundert’s? Wir haben ihnen die Superhelden genommen. Weg, aus, vorbei - aus den Augen aus dem Sinn. Heute sind die vermeintlichen Superhelden nicht mehr interessiert am Kampf gegen das Böse, diese suchen nur mehr die knallharte Action.

Doch mal zurück zu den Antihelden. Vielleicht sind ja dies tatsächlich die Helden von heute? Ich gebe den Begriff «Helden von heute» mal im Google ein. Da taucht ein «Held von gestern» auf, wohlgemerkt einer meiner liebsten: «Falco». Dann in der Bildsuche irgendwann noch Oliver Kahn. Naja, denke ich mir, die Helden von heute sind die Helden von gestern.

Dann google ich «Antihelden von heute» und stosse auf einen interessanten Artikel von 20min.ch online über Konsolen-Games der heutigen Zeit mit dem Titel «Antihelden sind die besseren Menschen». Ich zitiere: «Sie saufen, rauchen, besuchen Stripschuppen oder nehmen Drogen. Sie wettern gegen Gott und seine Himmelsscharen, verfluchen ihr Schicksal, verzweifeln an sich selbst und fallen immer tiefer. Deshalb sind ihre Seelen vernarbt und triefen oft vor schwarzer Melancholie. Manche suchen den Tod und finden ihn dennoch nicht. Eines jedoch ist ihnen gemeinsam: Sie tragen ihr Herz stets auf dem rechten Fleck.»

Verdammt, denke ich. Ich kann doch meinem 6-jährigen Sohn keine solchen Vorbilder servieren? Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es einen Superheld bräuchte, um die Superhelden zu retten. Und so bleibt mir nichts anderes übrig als am Samstag morgen, während ich noch am ersten Kaffee sitze, den Fernseher anzuknipsen, um meinem Sohn auf SuperRTL «Baywatch» zu zeigen…

«Täglich güsst das Murmeltier» - ein Blog über täglich aufgeschnappte Schnipsel in meinem Leben.
Alle Akteure, Super- und Antihelden sind natürlich frei erfunden, wen auch nicht von mir.