Caesar oder fuckin' maybe...
Vielleicht ist es wieder mal an der Zeit einen Blog zu schreiben. Und ich frage mich, was denn unsere Entscheidungfreudigkeit bestimmt? Wer gut gelaunt ist, entscheidet schneller, sagen Bettina von Helversen und Rui Mata von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel. Hat die heutige Multioptionsgesellschaft Angst zu entscheiden? Es könnte ja immer die falschen Entscheidungen sein. Und doch, wenn man mal entschieden hat, fühlt man sich besser, eventuell sogar freier. Dieser Schritt über den Rubikon, befreit die Seele…
«Alea iacta est», soll Caesar 49 Jahre vor Christus gesagt haben, als er sich entschieden hat, gegen Rom zu ziehen, um die Macht zu ergreifen. Der Würfel ist gefallen - er hat entschieden! Und hat mit seinen Truppen den Rubikon Richtung Rom überquert, den kleinen Fluss in Norditalien.
Doch zurück zu unserem täglichen Leben. Gerade die Generation unter 35 Jahren hat heute Mühe sich zu entscheiden. Die «Welt» meint, es könne ein Vorteil sein, nicht zu allem schon eine Meinung zu haben, und «vielleicht» zu sagen, schön zurückgezogen in die eigene Komfort-Zone des Nichtentscheidens. Na Bravo, denke ich mir. «Maybe» als Freipass zum Zurücklehnen? Oder doch zum Ausprobieren? Auf was läuft es den hinaus? Zu gross ist das Angebot – zu viele Optionen? Zu viele Köche haben schon immer den Brei verdorben, dich heute scheint dies zum Lebensstil zu werden. Welcome to the Generation «Maybe»!
«Weisst du, du bist schon nett, aber ich will mich nicht binden», höre ich es an der Bar neben mir. Ich schätze die Probanden um die Dreissig und denk mir: Diese Exemplar des männlichen Seins will doch nur noch ein wenig seine Freiheit auskosten. Seine Optionen. Braucht er also mehr Optionen, um sich entscheiden zu können? Entscheid denn? Oder ist es eine lapidare Ausrede für sein vom hohen Testosteron-Spiegels gesteuerten Wunsches mehr als eine Frau «glücklich» zu machen? Aber vice versa: Was ist mit der Frau, die sich nicht entscheiden kann?
Die «Welt» spricht vom Ende der Schlusswahrheit. Wir tun einfach mal, es muss nicht alles fertig sein. Wir können es gut in diesem Schwebezustand sein lassen. Können wir dieses Vielleicht» als Zustand akzeptieren. Es soll also keine Verteidigung der Amüsiersphäre sein, sondern eine Art Schwebezustand. Durch die digitalen Museen unserer selbst, wir nennen sie Facebook, Youtube oder ähnlich, leben wir das «vielleicht» mehr denn je. Entscheidungen wirken langweilig, Optionen spannend.
Hätte César so gedacht, wäre er nie Kaiser von Rom geworden. Deshalb spreche ich hier der Genreation «Maybe» mehr Mut zu. Mut sich zu entscheiden und den Augenblick zu ergreifen. Entscheidungen machen glücklich, maybe!
«Täglich güsst das Murmeltier» - ein Blog über täglich aufgeschnappte Schnipsel in meinem Leben.
Alle Akteure sind vielleicht frei erfunden etc.
